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Texte des RECS 71: „Es ist heilige Pflicht, unseren Führer zu unterstützen.“ Kronprinz Wilhelms Geleitwort für das vaterländische Jahrbuch Friedrich der Große 1934

Jürgen Luh                                                                                                                              PDF

Abb. 1: Geleitwort des Kronprinzen Wilhelm für das vaterländische Jahrbuch Friedrich der Große 1934, Foto: Archiv des Autors.

Ende August 1933 erschien das „Vaterländische Jahrbuch Friedrich der Große, 9. Jahrgang 1934“ mit einem Geleitwort von „Seiner kaiserlichen Hoheit Kronprinz Wilhelm“. Geschrieben worden waren die beigegebenen einleitenden Sätze in „Potsdam, Cecilienhof, den 21. Juni 1933“. Das Geleitwort ist für die Einstellung des Exkronprinzen zum „Dritten Reich“ und dessen Führer Adolf Hitler ein interessantes Dokument, entstanden, als Hitler und die Nationalsozialisten noch nicht vollkommen unangefochten regierten. Liest man es genau, besteht es aus vier Teilen oder, vielleicht besser, Mitteilungen des Autors: einleitend aus einer historischen Bewertung des ersten knapp halben Jahres 1933, der Januar ist ja nicht inbegriffen, und dessen Einordnung in die deutsche Geschichte; sodann aus der Wertschätzung der Leistungen, die Adolf Hitler, seit er am 30. Januar 1933 Reichskanzler wurde, vollbracht habe; gefolgt von der Belobigung und Würdigung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, weil er Hitler als Reichskanzler berufen habe, sowie aus dem Aufruf, Adolf Hitler fortgesetzt auch fernerhin zu unterstützen. Diesem einleitenden, richtunggebenden Vorspruch voraus war auf der ersten Seite des Jahrbuchs als Vorsatz eine Fotografie Wilhelms mit seiner Unterschrift darunter beigegeben, dem Geleitwort nachgestellt folgte ein Foto Adolf Hitlers mit dessen Unterschrift darunter; alles auf glänzendem, wertigen Fotopapier gedruckt. „Texte des RECS 71: „Es ist heilige Pflicht, unseren Führer zu unterstützen.“ Kronprinz Wilhelms Geleitwort für das vaterländische Jahrbuch Friedrich der Große 1934“ weiterlesen

Texte des RECS #70: Geselligkeit am Hof Friedrich Wilhelms II.

Erika Preiße                                                                                                                           PDF

Anton Graff, König Friedrich Wilhelm II., 1792, SPSG.

Friedrich Wilhelm II. (1744-1797), Nachfolger und Neffe König Friedrichs II., übernahm 1786 den preußischen Thron. Die friderizianische Ära war zu Ende, die auf dem Naturrecht basierende socialitas (im Sinne von Gesellschaftlichkeit), war in Veränderung begriffen. Der Vorgänger, König Friedrich II., hatte höfische Geselligkeit neben notwendigen repräsentativen Anlässen als exklusive, ungezwungene Kommunikationsrunde im ‚privaten‘ Rahmen seiner legendären Tafelrunde von Sanssouci favorisiert. Trotz aller Aufgeklärtheit ihres Initiators und seiner illustren, ausschließlich männlichen Gäste, erwies sich die Gesprächsrunde letztlich nur als eine Spielart höfischer aristokratischer Geselligkeit. Sie bestand ohne zukunftsweisende Funktion, ohne institutionelle Kontakte zur bürgerlichen Öffentlichkeit, die sich ab Mitte des 18. Jahrhunderts mit der aufkommenden Idee der Selbstbestimmung des Menschen zunehmend kritisch gegenüber kirchlichen und staatlichen Autoritäten entwickelte. „Texte des RECS #70: Geselligkeit am Hof Friedrich Wilhelms II.“ weiterlesen

Texte des RECS #69: Nationalsozialisten und Neues Palais

Jürgen Luh (RECS)                                                                                                              PDF

Abb. 1: Vor dem Neuen Palais, 16.09.1933, SPSG.

Nachdem Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler, den „Führer“ der nationalsozialistischen Bewegung, am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt hatte und dessen Parteigenossen Dr. Wilhelm Frick Reichsminister des Innern und Hermann Göring Reichsminister ohne Geschäftsbereich, Reichskommissar für das preußische Innenministerium sowie Reichskommissar für Luftfahrt geworden waren, besaßen die Nationalsozialisten nun auch uneingeschränkte Deutungsmacht über das geschichtliche Erbe des Deutschen Reichs und der Weimarer Republik. Die „Bewegung“, deren „Sachwalter“ und Funktionäre konnten jetzt ihre Interpretationen, ihre Werthaltungen, ihre Umdeutungen historischer Einzelereignisse – wie der deutschen Geschichte insgesamt – unwidersprochen propagieren und mit Hilfe strikter staatlicher Erziehungsmaßnahmen oder durch die Zurschaustellung inszenierter öffentlicher „Bilder“ Ausschließlichkeit verleihen; und dies gegebenenfalls auch gewaltsam.[1] „Texte des RECS #69: Nationalsozialisten und Neues Palais“ weiterlesen

Texte des RECS #68: Franciscus Joseph Friedrich – Ein Bastler und Mechanikus auf der Pfaueninsel

Evelyn Zimmermann (SPSG)                                                                                         PDF

Der am 10. Dezember 1788 im französischen Straßburg geborene Franciscus Joseph Friedrich wird noch immer für seine maßstabsgetreuen Architekturmodelle geschätzt. Er fertigte insbesondere Nachbildungen von Bauwerken an, die während der Regierungszeit König Friedrich Wilhelms III. von Preußen errichtet wurden, so von der Friedrichswerderschen Kirche und vom Alten Museum in Berlin, von der Nikolaikirche oder der Russischen Kapelle in Potsdam. Mit großem Fleiß und viel Leidenschaft setzte er die Kunstwerke aus tausenden filigranen Einzelteilen zusammen. Dabei verwendete er Materialien wie Gold, Silber, Bernstein, Schildpatt, Perlmutt und Elfenbein. „Texte des RECS #68: Franciscus Joseph Friedrich – Ein Bastler und Mechanikus auf der Pfaueninsel“ weiterlesen

Texte des RECS #67: Eine Schloss-Collage auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis. Verbringung und Nachbau von Raumeinrichtungen aus zwei Hohenzollernschlössern

Benjamin Sander (SPSG)                                                                                                 PDF

Abb. 1: Nachbau Schloss Charlottenburg auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis, Kandeler Bros. Rembrandt Studio Art & Photograph Co., Graphische Sammlung SPSG.

Einleitung

Auf den ersten Blick erscheint die Anbringung eines US-amerikanischen Zollstempels auf einem Tabouret aus dem Jahr 1705, einem Münzschrank Friedrichs II. von 1775 und einem Armlehnstuhl von 1900 als rätselhaft. Wird aber die Provenienz der drei Objekte erforscht, gelangt man an einen Zeitpunkt in der Geschichte, an dem sie in engerem Zusammenhang gestanden haben. Dieser Zeitpunkt lässt sich auf das Jahr 1904 bestimmen, dem Jahr, als das Deutsche Reich auf der Weltausstellung in der US-amerikanischen Stadt St. Louis vertreten war.[1]

Im Verlauf des Textes wird daher die Verbringung von Berliner Kunstgegenständen zur Weltausstellung in den Vereinigten Staaten beschrieben sowie ihre Aufstellung am Zielort. Im Anschluss wird nach der Intention dieser Ortsveränderung gefragt, die in den machtpolitischen Erfordernissen des regierenden Kaiserhauses begründet liegt. Schließlich wird ein neuer Bedeutungszusammenhang der Kunstgegenstände aufgrund ihres Ortswechsels aufgezeigt, der sich am Aufstellungsort in Amerika ergibt. Am Anfang steht jedoch eine kurze Übersicht zur Präsentation des Deutschen Reiches auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis. „Texte des RECS #67: Eine Schloss-Collage auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis. Verbringung und Nachbau von Raumeinrichtungen aus zwei Hohenzollernschlössern“ weiterlesen

Texte des RECS #66: Feiern auf der Pfaueninsel. Die Sommerfeste der Nationalsozialisten 1936 und 1937

Jürgen Luh                                                                                                                             PDF

Abb. 1: KdF-Sommerfest auf der Pfaueninsel vom 4. – 10. Juli 1937, Archiv des Autors.

Ursprünglich sollte das Fest gar nicht auf der Pfaueninsel stattfinden. Das Deutsche Nachrichtenbüro, DNB abgekürzt, der von Dr. Joseph Goebbels im Dezember 1933 erzwungene Zusammenschluss der 1913 begründeten Hugenbergschen Telegraphen Union (T.U.) mit dem bereits 1846 ins Leben gerufenen Wolffschen Telegraphen Büro (WTB.), hatte nämlich in seiner Ausgabe Nr. 896 vom 9. Juli 1936 unter der Überschrift „Während der Olympischen Spiele finden folgende Feiern und Festlichkeiten statt“, für die Zeitungen des Deutschen Reichs die Meldung vorgegeben: „Sonnabend, 15. August: 13 Uhr: Mittagessen der Generalsekretäre auf den Stadionterrassen [vor dem Südtor des Olympiastadions]; 18 Uhr: Sommerfest des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda in Schloß Babelsberg“.[1] Und lange Zeit hatte es wohl auch ausgesehen, als seien Schloss und Park Babelsberg die Örtlichkeit der Goebbelsschen Festveranstaltung. Noch Freitag, den 14. August, berichtete jedenfalls das Jeversche Wochenblatt: „Am Sonnabend … folgt am Abend das große Sommerfest des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda. Das Fest findet in den historischen Räumen des Schlosses Babelsberg bei Potsdam statt.“[2] Die friesische Zeitung hatte die zwischenzeitliche Änderung der Programmplanung offenbar nicht mitbekommen. „Texte des RECS #66: Feiern auf der Pfaueninsel. Die Sommerfeste der Nationalsozialisten 1936 und 1937“ weiterlesen

Texte des RECS #65: Kurfürst Friedrich Wilhelms Flotte

Jürgen Luh                                                                                                                              PDF

Maddersteg, Michiel: Die Kurbrandenburgische Flotte auf der Spree vor Schloss Köpenick, SPSG, GK I 8695, Verlust.
Michiel Maddersteg, Die Kurbrandenburgische Flotte auf der Spree vor Schloss Köpenick, SPSG, GK I 8695, Verlust.

Schaut man in die Literatur oder, was heute einfacher und wahrscheinlicher ist, schneller geht und deshalb vorrangig getan wird, ins Internet, so gilt Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, er lebte von 1620 bis 1688, als „Schöpfer der deutschen Seemacht“ – ehemaligen muss man heute allerdings sagen, denn davon ist nichts geblieben. Während des Zweiten Nordischen Krieges, der von 1655 bis 1660 stattfand, erfährt man bei Wikipedia, habe Friedrich Wilhelm im Jahr 1656 erkannt, wie wichtig eigene Seestreitkräfte seien. Und rund zwanzig Jahre später habe sein Sieg über die Schweden 1675 bei Fehrbellin ihm den „letzten Anstoß zum Aufbau einer eigenen Flotte“ gegeben.[1] „Texte des RECS #65: Kurfürst Friedrich Wilhelms Flotte“ weiterlesen

Texte des RECS #64: Triumph des Amor. Betrachtungen zu einer Bildergeschichte der englischen Prinzessin Elizabeth, zur Englandbegeisterung Friedrich Wilhelms II. von Preußen und zu den Auswirkungen dieser Leidenschaft auf die Porzellanmalerei der KPM Berlin

Eva Wollschläger (SPSG)                                                                                                  PDF

Abb. 1: Widmungsblatt der Edition „The Birth and Triumph of Cupid“, London, 17. Januar 1795, Privatsammlung, Berlin, Foto: Wolfgang Pfauder, SPSG.
Abb. 2: GOING ALONE, zweites Bildmotiv aus der Edition „The Birth and Triumph of Cupid“, London 1795, Privatsammlung, Berlin, Foto: Wolfgang Pfauder, SPSG.

Am 17. Januar 1795 erscheint in London eine druckgraphische Edition mit dem Titel „The Birth and Triumph of Cupid“, die der englischen Königin Queen Charlotte, geborene Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz (1744–1818), gewidmet ist. Die gebundene Ausgabe besteht aus 26 Illustrationen mit Titelunterschriften, die als Bildergeschichte arrangiert sind. Die kompositorische und motivische Grundlage für die graphische Umsetzung bildete ein Konvolut von Scherenschnitten aus der Sammlung der englischen Königin. Auf dem elegant gestalteten Widmungsblatt der Ausgabe, das zugleich als Titelblatt dient, wird als Entwerferin der Scherenschnitte Lady Dashwood genannt (Abb. 1). Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich eine der Töchter von Queen Charlotte: die 1770 geborene Elizabeth (genannt „Eliza“), spätere Landgräfin von Hessen-Homburg.[1] Für die künstlerisch begabte 25-jährige Prinzessin sollte es die erste Veröffentlichung ihrer Werke sein, die aufgrund ihrer exponierten gesellschaftlichen Stellung jedoch anonym erfolgte.[2] „Texte des RECS #64: Triumph des Amor. Betrachtungen zu einer Bildergeschichte der englischen Prinzessin Elizabeth, zur Englandbegeisterung Friedrich Wilhelms II. von Preußen und zu den Auswirkungen dieser Leidenschaft auf die Porzellanmalerei der KPM Berlin“ weiterlesen

Texte des RECS #63: Andrea und Giovanni Tamanti – zwei italienische Eiskonditoren am preußischen Königshof

Hans-Christian Klenner                                                                                              PDF

Im ersten Halbjahr 1774 schrieb König Friedrich II. von Preußen an seinen Agenten Graf Giulio Cesare Bernardini Masini de la Massa (1722-1791) in Cesena[1]. Der kunstsinnige und Delikatessen liebende Monarch hatte den Agenten bereits mehrfach beauftragt Gemälde für seine Galerien zu erwerben bzw. ihm aus der Stadt in der Romagna Parmesankäse, Granatäpfel, Schokolade und Wein für seine Tafeln in Berlin und Potsdam zu senden. In besagtem Schreiben begehrte Friedrich hingegen – sicher sehr zur Verwunderung Masinis – einen „gewandten Zuckerbäcker“ aus Italien. Mit Andrea Tamanti fand Masini einen Pasticciere und Betreiber einer Caffetteria, der Willens war, die Heimat zu verlassen und die beschwerliche Reise nach Preußen auf sich zu nehmen. Verlockung und Ansporn war sicher die Offerte des Königs 500 Thaler Jahressalär zu zahlen und die Übernahme der Reisekosten in Aussicht zu stellen.[2]

Abb. 1: Prospekt der Stadt Cesena von Nordwest in der Zeit der Abreise von Andrea Tamanti nach Potsdam, Kupferstich von Pietro Scattagli und Innocente Alessandri, 1786, nach einer Zeichnung von Sebastiano Sassi aus dem Jahre 1775.

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Texte des RECS #62: Preußens Glanz und Gloria – Wie die Uniformbegeisterung Friedrich Wilhelms III. von Preußen eine neue Dekorsparte der KPM Berlin begründete

Eva Wollschläger (SPSG)                                                                                                  PDF

Teller mit der Darstellung preußischer Offiziere im Manöver, Porzellan, farbiger Aufglasurdekor und Vergoldung, KPM Berlin, um 1806, Twinight Collection New York, Foto: Ben Cohen

Militärische Sujets wie Schlachtenszenen oder die Darstellungen von Soldatenlagern lassen sich bei der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) als malerisches Motiv auf Porzellan seit dem 18. Jahrhundert nachweisen.* Diese sogenannte „Bataillen“-Malerei wurde in eine für die Rokokomalerei üblichen dekorativen Porzellankomposition umgesetzt, deren Bildmotive vornehmlich erzählerischen Charakter aufweisen.[1] Trotz zahlreicher Feldzüge und langjähriger kriegerischer Auseinandersetzungen sollten „Bataillen“-Malereien in der Regierungszeit Friedrichs II. von Preußen eine eher untergeordnete Rolle im Dekorationsprogramm der Berliner Manufaktur einnehmen. So sind beispielsweise keine Porzellane der friderizianischen Zeit bekannt, die auf Ereignisse des Siebenjährigen Krieges Bezug nehmen, obwohl dieser politisch eine große Bedeutung in der Geschichte der preußischen Monarchie einnahm. Soldatenszenen, vorzugsweise Militärlager und Reitergefechte, die aufgrund ihrer bewegten dynamischen Kompositionen sehr beliebt waren, lassen sich vornehmlich auf Tabaksdosen der KPM wiederfinden, die gerne von Friedrich II. als königliche Geschenke vergeben wurden.[2] „Texte des RECS #62: Preußens Glanz und Gloria – Wie die Uniformbegeisterung Friedrich Wilhelms III. von Preußen eine neue Dekorsparte der KPM Berlin begründete“ weiterlesen