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Sprechen wir wieder mal über Preußen! (Aus Anlass der Preußenseligkeit in Sachsen-Anhalt)

Jürgen Luh                                                                                                                         PDF

Hoher Orden vom Schwarzen Adler, um 1825, SPSG, KS XII 500.

Preußen lässt sich offenbar nicht unvoreingenommen betrachten, nicht „sine ira et studio“ – ohne Zorn und Eifer, wie Tacitus schrieb. Eigentlich immer spielt Ideologie bei diesem Thema eine Rolle. Deshalb ist Preußen heute größtenteils zu einem Konglomerat aus Schlagwörtern, Zuschreibungen und Klischees verkommen.

Als Historiker ärgert man sich einerseits über solche Zuschreibungen und Klischees und ihre Verbreitung, weil ja Ziel der Geschichtsforschung ist, unrichtige Vorstellungen und Behauptungen zu entlarven und möglichst einzudämmen. Auf der anderen Seite sind sie leider nützlich, da sie innerhalb der Medien – Internet, Funk, Fernsehen –, der Politik sowie in Teilen der Öffentlichkeit Preußen und seine Geschichte immer wieder in den Mittelpunkt rücken. Dank ihrer wird überhaupt über Preußen und in der Folge auch über Brandenburg gesprochen, sich mit deren Historie auseinandergesetzt. Und dies ist wichtig, weil Brandenburg-Preußen in der deutschen Geschichte und für deren Entwicklung eine große Bedeutung besitzt. Es bildete, ob man das nun mag oder nicht, eine wesentliche Voraussetzung und Grundlage unseres heutigen Staates und unserer Gesellschaft. Das gilt für rechtliche und Verwaltungsprozesse, für gesellschaftliche Entwicklungen, aber auch für politische Handlungen seiner Politiker. Denn Folgen und Wirkungen haben diese Prozesse, Entwicklungen und Handlungen bis heute. Leider werden die Schlagworte gestern wie heute in der Regel ideologisch missbraucht. „Sprechen wir wieder mal über Preußen! (Aus Anlass der Preußenseligkeit in Sachsen-Anhalt)“ weiterlesen

TAGUNG: „In Stein gemeißelt?“ Schlösser und Burgen als Schauplatz von Geschichtsinterpretationen

 Wissenschaftliche Tagung vom 12.–13. November 2026 in der Residenz München veranstaltet von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen in Kooperation mit dem Zentrum Erinnerungskultur der Universität Regensburg.

Mit der Musealisierung von Schlössern und Burgen wurde neben dem Erhalt der Substanz die Interpretation und Vermittlung des kulturellen Erbes zu einer zentralen Aufgabe der Schlösserverwaltungen. Inhaltliche Schwerpunktsetzungen spiegeln gesellschaftliche Bedürfnisse, politischen Willen und akademische Forschung – und sie basieren auf der Inszenierung von Vermutetem, auf der Interpretation historischer Fakten sowie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Interpretationen von Geschichte und Geschichtsbildern in Burgen und Schlössern finden ihren Ausdruck in denkmalpflegerischen Maßnahmen, (Re-)Konstruktionen, Ausstattungs- und Vermittlungskonzepten.

Mit Impuls- und Überblicksbeiträgen sowie ausgewählten Fallbeispielen beleuchtet die Tagung ausgehend von den markanten Zeitschnitten des 20. Jahrhunderts (1918, 1933, 1945, 1989, 2000) diese Aspekte in ihrer Prägung durch gesellschaftlich-kulturelle und politische Umstände sowie die konkreten museal-kuratorischen Entscheidungen und verdeutlicht ihre Wirkungen auf die Wahrnehmung vonSchlössern und Burgen sowie ihrer Präsentationen.

Die Tagung ist Teil des Gemeinschaftsprojekts „Staatliche Schlösser im 20. Jahrhundert als Spiegel des gesellschaftlichen und politischen Wandels“ der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen (AGDS). Mit einer Tagungsreihe und einer Wissensplattform wird die Geschichte der staatlichen Schlösser und Schlösserverwaltungen seit 1918 erschlossen und zugänglich
gemacht.

Donnerstag, 12. bis Freitag, 13. November 2026
Residenz München
Max-Joseph-Saal
Residenzstraße 1
80333 München
Eingang zum Max-Joseph-Saal über den Kapellenhof. Der Zugang ist barrierefrei.

Anmeldung:
Die Tagung ist kostenfrei.
Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich.
Anmeldung per Mail: Schloessertagung2026@bsv.bayern.de
Anmeldeschluss: 15. Oktober 2026
Wegen Teilnehmerbegrenzung werden die Anmeldungen in der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt.
Rückfragen unter: Tel. 089 17908 -301 bzw. -0

Teilnehmer:innen erklären mit der Anmeldung ihr Einverständnis zur Nutzung des bei der Veranstaltung entstandenen Foto-, Film und Tonmaterials für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation.

Das Programm zur Tagung und nähere Informationen finden Sie im Tagungsflyer.

BildGeschichte #35: Ein Raum-Foto als Ausgangspunkt für die Provenienzgeschichte eines Beistelltisches aus Schloss Freienwalde

Benjamin Sander (SPSG)                                                                                                  PDF

Schloss Freienwalde, Speisesaal, zw. 1909 und 1914, Abb. aus Hermann Schmitz: Berliner Baumeister vom Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts, Berlin 1914, S. 201.

Die Innenraumaufnahme des früheren Hohenzollernschlosses Freienwalde nordöstlich von Berlin zeigt einen leicht auf vier Halbkreisen ruhenden Beistelltisch.[1] In der Mitte der passend zum Gestell proportionierten Zarge ist ein bronzener Maskaron angebracht, der auf dem Foto als heller Punkt hervorspringt. Die Provenienz des Tisches ist mit dem Sommersitz eng verbunden. Sein Entwurf wird dem Umkreis David Gillys (1748–1808) zugeschrieben, der auch der Architekt des Schlosses ist. Das Schloss entstand um 1800 im Auftrag der Königin Friederike Luise von Preußen (1751–1805). Zu dieser Zeit wurde auch der Tisch gefertigt, von dem bis dato keine weiteren Ausführungen bekannt sind. Auf Fotoaufnahmen aus dem zerstörten Schloss Monbijou sind zwei Tische zu sehen, die dem vorliegenden ähneln.[2] Zu ihnen existieren ein Entwurf sowie eine schematische Abbildung.[3] „BildGeschichte #35: Ein Raum-Foto als Ausgangspunkt für die Provenienzgeschichte eines Beistelltisches aus Schloss Freienwalde“ weiterlesen

Blick über den höfischen Tellerrand. Ein Forschungsprojekt zu den Schlössern im 20. Jahrhundert beginnt mit der Tagung „Schlösser in der Zeit des Nationalsozialismus“

Schloss Schwarzburg, Emporensaal mit Spuren des Umbaus 1940–42, IBA Thüringen, Thomas Müller

Schlösser und Gärten, Burgen, Klöster und andere Monumente sind, darüber herrscht Einigkeit, wichtige Zeugnisse und Schauplätze der Geschichte. Doch an deren Zeitgeschichte, deren Geschichte im 20. Jahrhundert denkt man meist nicht, wenn es um das höfische Erbe geht. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen möchte dies ändern. Schrittweise möchte sie die jüngste Geschichte dieser Denkmale sowie der Institutionen, die sich um deren Erhalt kümmern, erschließen und die Ergebnisse dieser Forschungen in die Öffentlichkeit tragen.  „Blick über den höfischen Tellerrand. Ein Forschungsprojekt zu den Schlössern im 20. Jahrhundert beginnt mit der Tagung „Schlösser in der Zeit des Nationalsozialismus““ weiterlesen

BUCHBESPRECHUNG: Joachim Behrend: Friedrich der Große in Bildern des 18.–20. Jahrhunderts. Ein systematisches Verzeichnis der Historien- und Anekdotenbilder mit über 1800 Abbildungen, Bremen: Joachim Behrend, 2023, ISBN-13: 978-3-00-074538-6

Joachim Behrend hat sich eine große Aufgabe vorgenommen. Er hat den Versuch gewagt, „die bildlichen Darstellungen von Ereignissen und Anekdoten aus dem Leben und Wirken Friedrichs II. [von Preußen] systematisch zu erfassen, zu katalogisieren und (wenn möglich) abzubilden“ (11). Herausgekommen ist ein wichtiges, informatives, schönes, 505-seitiges Buch im Quartformat, das weit über die bislang von J. F. Krieger im Jahr 1817 sowie von Edwin von Campe im Jahr 1958 unternommenen Versuche hinausreicht, zumindest die Druckgraphik zu Friedrich dem Großen zu verzeichnen. Behrends Band besitzt über 2.000 Einträge und präsentiert dem Leser und Betrachter mehr als 1.800 Abbildungen. „BUCHBESPRECHUNG: Joachim Behrend: Friedrich der Große in Bildern des 18.–20. Jahrhunderts. Ein systematisches Verzeichnis der Historien- und Anekdotenbilder mit über 1800 Abbildungen, Bremen: Joachim Behrend, 2023, ISBN-13: 978-3-00-074538-6“ weiterlesen

Vor 150 Jahren – Kleine Vortragsreihe Deutsches Kaiserreich

Vor 150 Jahren wurde am 18. Januar im Spiegelsaal von Versailles der preußische König Wilhelm zum deutschen Kaiser proklamiert. Es war (fast) der Beginn des Deutschen Kaiserreichs, dass von 1871 bis 1918 bestand. Fast, weil dessen Begründung an sich schon mit der neuen Verfassung vom 1. Januar 1871 erfolgte. Das einpräg-same Bild des Kaiserreichs aber lieferte Versailles, genau genommen etwas später Anton von Werners Gemälde-komposition dieses Ereignisses.
Dieses Bild steht heute vielleicht noch manchen vor Augen. Das Kaiserreich und seine Geschichte aber sind oftmals vergessen, obgleich viele der damaligen Entwicklungen und Ereignisse bis heute Bedeutung besitzen.

Schlaglichter auf das Deutsche Kaiserreich und seine Bedeutung zu werfen, es wiederzuentdecken und zum Nachdenken anzuregen, ist das Ziel der kleinen Vortragsreihe.

26. August 2021
Vergangenes Reich – Warum uns das Kaiserreich wieder näher rückt
Prof. Dr. Dominik Geppert (Universität Potsdam)

2. September 2021
(wegen des Bahnstreiks verschoben auf den 23. September 2021!)
Das Eiserne Kreuz von 1870 – Preußische Erinnerungs- und Emotionsgeschichte
Dr. Thomas Weißbrich (DHM)

9. September 2021
Die deutsche Reichsgründung – Geschichtspolitik in Bildern
Prof. Dr. Christoph Nonn (Universität Düsseldorf )

16. September 2021
Kaiserin Auguste Victoria (1858–1921). Erster Weltkrieg – Revolution – Beisetzung
Jörg Kirschstein (SPSG)

Im Schloss Babelsberg, jeweils donnerstags, 19 Uhr
Schlosspark Babelsberg, 14482 Potsdam

Eintritt frei. Aufgrund der begrenzten Plätze wird um Anmeldung bei Hrn. Rahul Kulka unter 0331.9694-690 oder r.kulka@spsg.de gebeten.

Bitte beachten Sie, dass Schloss Babelsberg nicht beheizt und nur bedingt barrierefrei zugänglich ist. Parkplätze sind außerhalb des Parks vorhanden. Die aktuell geltenden Corona-Regeln finden Anwendung.

Zum Flyer geht es hier!

BUCHBESPRECHUNG: Stephan Malinowski: Nazis & Nobles. The History of a Misalliance, Oxford/New York: Oxford University Press, 2020, 471 S., ISBN: 978-0-19-884255-2

Stephan Malinowski: Nazis & Nobles. The History of a Misalliance, übers. v. Jonathan Andrews, Oxford/New York: Oxford University Press, 2020, ISBN: 978-0-19-884255-2

Seit 2019 tobt die öffentliche Debatte um mögliche Entschädigungsansprüche des Hauses Hohenzollern in Berlin-Brandenburg;[1] dessen zahlreiche Unterlassungs-klagen gegen Fachhistoriker wie Journalisten wegen vermeintlicher Falschbehaup-tungen sind inzwischen auf einer Seite des Historiker-verbandes online nachverfolg-bar.[2] Einer der verklagten Fachhistoriker ist Stephan Malinowski, seit seinem preisgekrönten Werk „Vom König zum Führer“ (Berlin 2003) der vielleicht beste Kenner der preußisch-deutschen Adelsgeschichte in Republik und NS-Zeit. Der mittlerweile in Edinburgh lehrende Historiker legt nun einen Band vor, in dem er aufgrund umfangreichen Quellenmaterials aus 33 Archiven der Beziehungsgeschichte zwischen deutschen Adeligen und der NS-Bewegung in konzentrierter Form nachgeht. Die Frage, ob der ehemalige Kronprinz Wilhelm dem Nationalsozialismus um 1933 so erheblich Vorschub leistete, dass nunmehr Verlustkompensation im Sinne der Unwürdigkeitsklausel des § 1, Abs. 4 des Ausgleichsleistungsgesetzes von 1994 nicht in Frage kommt, steht nicht im Zentrum, aber wird mehrfach berührt.[3] Vor allem können Nutzerinnen und Nutzer den größeren Rahmen des Themas erlesen und eine breite Quellengrundlage für ihr eigenes Urteil heranziehen. „BUCHBESPRECHUNG: Stephan Malinowski: Nazis & Nobles. The History of a Misalliance, Oxford/New York: Oxford University Press, 2020, 471 S., ISBN: 978-0-19-884255-2“ weiterlesen

Neue Sonderausstellung im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz vom 18. März 2021 bis zum 31. Dezember 2023

Aus Anlass der Gründung des deutschen Kaiserreichs vor 150 Jahren präsentiert das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz ab dem 18. März 2021 eine Vitrinenausstellung mit Schlüsselquellen zur Geschichte Preußens nach 1871.

Mit der Proklamation König Wilhelms I. von Preußen zum Deutschen Kaiser am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles wurde die Gründung des Deutschen Reiches besiegelt. Die tiefe Sehnsucht einer Mehrheit der Deutschen nach einem eigenen Nationalstaat schien Wirklichkeit zu werden.  Die „vielgestaltige Pufferzone“ des mitteleuropäischen Raumes, in die jahrhundertelang andere Mächte oft eher hineingewirkt hatten als umgekehrt, gehörte der Vergangenheit an. Nach dem Deutsch-Dänischen und dem Preußisch-Österreichischen Krieg (1864/66) hatte das Königreich Preußen erheblichen territorialen Zugewinn errungen und seine Vormachtstellung in Deutschland ausgebaut. Künftig konnte Preußen nicht mehr gedacht werden ohne Deutschland.

Vor welchen Problemen und Herausforderungen stand das Königreich Preußen, das nach der erfolgten Reichsgründung aufhörte, ein völkerrechtliches Subjekt zu sein? Ein Staat, der trotz seiner mittelfristigen Vorherrschaft im Reich tendenziell in Deutschland aufgehen sollte? „Neue Sonderausstellung im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz vom 18. März 2021 bis zum 31. Dezember 2023“ weiterlesen