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Sprechen wir wieder mal über Preußen! (Aus Anlass der Preußenseligkeit in Sachsen-Anhalt)

Jürgen Luh                                                                                                                         PDF

Hoher Orden vom Schwarzen Adler, um 1825, SPSG, KS XII 500.

Preußen lässt sich offenbar nicht unvoreingenommen betrachten, nicht „sine ira et studio“ – ohne Zorn und Eifer, wie Tacitus schrieb. Eigentlich immer spielt Ideologie bei diesem Thema eine Rolle. Deshalb ist Preußen heute größtenteils zu einem Konglomerat aus Schlagwörtern, Zuschreibungen und Klischees verkommen.

Als Historiker ärgert man sich einerseits über solche Zuschreibungen und Klischees und ihre Verbreitung, weil ja Ziel der Geschichtsforschung ist, unrichtige Vorstellungen und Behauptungen zu entlarven und möglichst einzudämmen. Auf der anderen Seite sind sie leider nützlich, da sie innerhalb der Medien – Internet, Funk, Fernsehen –, der Politik sowie in Teilen der Öffentlichkeit Preußen und seine Geschichte immer wieder in den Mittelpunkt rücken. Dank ihrer wird überhaupt über Preußen und in der Folge auch über Brandenburg gesprochen, sich mit deren Historie auseinandergesetzt. Und dies ist wichtig, weil Brandenburg-Preußen in der deutschen Geschichte und für deren Entwicklung eine große Bedeutung besitzt. Es bildete, ob man das nun mag oder nicht, eine wesentliche Voraussetzung und Grundlage unseres heutigen Staates und unserer Gesellschaft. Das gilt für rechtliche und Verwaltungsprozesse, für gesellschaftliche Entwicklungen, aber auch für politische Handlungen seiner Politiker. Denn Folgen und Wirkungen haben diese Prozesse, Entwicklungen und Handlungen bis heute. Leider werden die Schlagworte gestern wie heute in der Regel ideologisch missbraucht. „Sprechen wir wieder mal über Preußen! (Aus Anlass der Preußenseligkeit in Sachsen-Anhalt)“ weiterlesen

Glaubt nichts, was in den Geschichtsbüchern steht? Kleine Entgegnung auf eine Forderung im politischen (Wahl)Kampf

Jürgen Luh

Unsplash, Foto: Jessica Ruscello

„Glaubt nichts, was in den Geschichtsbüchern steht“, dieses angebliche Zitat Egon Bahrs rief Björn Höcke, der Vorsitzende der AfD im Thüringer Landtag, der von seiner Tätigkeit als Geschichtslehrer am Gymnasium an der Rhenanus-Schule Bad Sooden-Allendorf in Hessen gegenwärtig beurlaubt ist, jüngst seinem Publikum während eines Wahlkampfauftritts in Cottbus zu.[1] Diese Forderung scheint, wenn auch sehr zugespitzt formuliert, vorderhand verständlich, denn es ist eine Binsenweisheit, dass sich zwar nicht die Geschichte selbst, aber unser Wissen von ihr und über sie sich ständig durch neu ans Licht kommende, bislang unbekannte Quellen verändert. „Glaubt nichts, was in den Geschichtsbüchern steht? Kleine Entgegnung auf eine Forderung im politischen (Wahl)Kampf“ weiterlesen

BUCHBESPRECHUNG: Bildersaal Deutscher Geschichte. Begleitheft zur Ausstellung der AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg, Potsdam 2022, 60 Seiten

Jürgen Luh                                                                                                                        PDF

Solides Geschichtswissen könnte in Deutschland – trotz vielfältiger Formate im Netz sowie sämtlicher Sendungen im Fernsehen – sehr gerne umfassender verbreitet und fester verankert sein, als es ist. Denn das August Bebel zugeschriebene Wort „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten“ hat vieles für sich. Falsch ist es jedenfalls nie.

Das sagte sich auch der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg Hans-Christoph Berndt. Er leitete mit Bebels Ausspruch seine Einführung in das Begleitheft Bildersaal Deutscher Geschichte der 2022 eingerichteten Ausstellung der AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg ein (S. 1). Berndt geht es in seinen Einführungsworten allerdings nicht darum, dass Ausstellung und Begleitheft Kenntnisse der deutschen Geschichte vermitteln sollen. Dem Vorsitzenden der AfD-Fraktion ist zuerst und vor allem wichtig, welche Aspekte aus unserer Vergangenheit erinnert und von der Gesellschaft gedeutet werden sollten und wie die Vergangenheit von der Gesellschaft verstanden werden soll. „BUCHBESPRECHUNG: Bildersaal Deutscher Geschichte. Begleitheft zur Ausstellung der AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg, Potsdam 2022, 60 Seiten“ weiterlesen