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Podcast Meisterwerke: “Lukretia und Tarquinius” von Artemisia Gentileschi

Aretmisia Gentileschi: Tarquinius und Lukretia, SPSG, GK I 5389, Foto: Wolfgang Pfauder.

Die Geschichte der Lukretia ist ein Gründungsmythos der römischen Republik. Die verheiratete Frau wurde vom Königssohn Tarquinius vergewaltigt, Lukretia brachte sich anschließend um, um ihre Ehre zu retten. Artemisia Gentileschi, eine zu ihrer Zeit in Italien bekannte Barock-Malerin, gestaltete die Situation von Lukretia besonders eindrucksvoll. Das Bild, entstanden zwischen 1627 und 1630, können wir in Potsdam in der Oberen Galerie des Neuen Palais bewundern. Die Gemälde gehören zur originalen Ausstattung Friedrichs des Großen und wurden seit ihrer Einfügung in die Wandvertäfelung im Jahr 1768 nur selten bewegt. 2025 wurde die Obere Galerie nach 30 Jahren erstmals wieder für Besucher geöffnet. In unserer Reihe “Meisterwerke aus Berlin und Brandburg” hat Regine Bruckmann mit Franziska Windt über das Bild der Lukretia gesprochen. Sie ist Kustodin für italienische Gemälde in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg.

Zum Podcast von radio3 in der Reihe Kunst aktuell geht es hier.

Sprechen wir wieder mal über Preußen! (Aus Anlass der Preußenseligkeit in Sachsen-Anhalt)

Jürgen Luh                                                                                                                         PDF

Hoher Orden vom Schwarzen Adler, um 1825, SPSG, KS XII 500.

Preußen lässt sich offenbar nicht unvoreingenommen betrachten, nicht „sine ira et studio“ – ohne Zorn und Eifer, wie Tacitus schrieb. Eigentlich immer spielt Ideologie bei diesem Thema eine Rolle. Deshalb ist Preußen heute größtenteils zu einem Konglomerat aus Schlagwörtern, Zuschreibungen und Klischees verkommen.

Als Historiker ärgert man sich einerseits über solche Zuschreibungen und Klischees und ihre Verbreitung, weil ja Ziel der Geschichtsforschung ist, unrichtige Vorstellungen und Behauptungen zu entlarven und möglichst einzudämmen. Auf der anderen Seite sind sie leider nützlich, da sie innerhalb der Medien – Internet, Funk, Fernsehen –, der Politik sowie in Teilen der Öffentlichkeit Preußen und seine Geschichte immer wieder in den Mittelpunkt rücken. Dank ihrer wird überhaupt über Preußen und in der Folge auch über Brandenburg gesprochen, sich mit deren Historie auseinandergesetzt. Und dies ist wichtig, weil Brandenburg-Preußen in der deutschen Geschichte und für deren Entwicklung eine große Bedeutung besitzt. Es bildete, ob man das nun mag oder nicht, eine wesentliche Voraussetzung und Grundlage unseres heutigen Staates und unserer Gesellschaft. Das gilt für rechtliche und Verwaltungsprozesse, für gesellschaftliche Entwicklungen, aber auch für politische Handlungen seiner Politiker. Denn Folgen und Wirkungen haben diese Prozesse, Entwicklungen und Handlungen bis heute. Leider werden die Schlagworte gestern wie heute in der Regel ideologisch missbraucht. „Sprechen wir wieder mal über Preußen! (Aus Anlass der Preußenseligkeit in Sachsen-Anhalt)“ weiterlesen

Exposé: Das Personal der preußischen Höfe im 18. Jahrhundert: Akteure und Akteurinnen, Netzwerke und Machtstrukturen

Theresa Khan (Universität Potsdam/RECS)

Teller aus Tafelservice Friedrichs I. von Preußen mit dem schwarzen Adlerorden, um 1701, SPSG XV 688, Foto: Wolfgang Pfauder.

Im Rahmen des hier vorgestellten Promotionsprojekts wird die strukturelle und personelle Zusammensetzung der preußischen Höfe im 18. Jahrhundert untersucht. Dabei soll der Fokus auf der Funktionsweise der Höfe in dieser ersten Zeit der preußischen Monarchie liegen: Welche Positionen gab es an den Höfen? Wer waren die Akteure und Akteurinnen und welche Rollen kamen Frauen und Männern verschiedener sozialer Schichten an den Höfen zu? Und wie wirkte sich die Zusammensetzung des Hofstaats auf die Repräsentation des Herrschers aus? Diesen Forschungsfragen soll anhand der Höfe zu Zeiten Friedrichs I., Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II. nachgegangen und herausgearbeitet werden, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten die Hofstrukturen unter den verschiedenen Monarchen aufweisen. „Exposé: Das Personal der preußischen Höfe im 18. Jahrhundert: Akteure und Akteurinnen, Netzwerke und Machtstrukturen“ weiterlesen

Kopfgeburt. Preußen. – Die neue Dauerausstellung des Brandenburg-Preußen Museums Wustrau

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Brandenburg-Preußen Museums Wustrau wurde die Hauptausstellung zur brandenburgisch-preußischen Geschichte vollkommen neu konzipiert und gestaltet und am 29. März 2026 eröffnet. Die neue Ausstellung nähert sich Brandenburg-Preußen thematisch und setzt sich mit Urteilen und Vorurteilen auseinander – auf der Suche nach Antworten auf die Frage: Was macht Preußen aus? Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen spannende Exponate, mit denen sich die preußische Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählen lässt. Hinzu kommen Medienstationen und eine Installation.

Brandenburg-Preußen Museum
Eichenallee 7a, 16818 Wustrau

April-Oktober
Di–So 10.00–18.00 Uhr

November-März
(2026: 29.03. bis 18.00 Uhr, 31.03. bis 16.00 Uhr)
Di–So 10.00–16.00 Uhr

Winterschließzeit vom
30.11.2026 bis Ende Februar 2027

Gesonderte Öffnungszeiten
für Schulklassen möglich.

Amor, Psyche und Preußen – der Podcast: Friedrich II. – Größe und Selbstvermarktung

Weil Geschichte zunehmend auf Vereinfachung und plakative Zuweisungen reduziert wird und vor allem die Begriffe „Preußen“ und „Hohenzollern“ überideologisiert sind, möchte „Amor, Psyche und Preußen“ differenzierte Wohnzimmergespräche mit Experten bieten. Die Gastgeber sind Julia Theek und Gerd Streidt.
Für die erste Folge ist Dr. Jürgen Luh eingeladen. Der Historiker, Autor und Direktor des Research Center Sanssouci (RECS) dekonstruiert die gängige Vorstellung von Friedrich dem Großen als Bösewicht oder Ikone und zeigt stattdessen einen komplexen Charakter, der von Ruhmsucht getrieben, aber auch zu Selbstzweifeln fähig war. Besonders aufschlussreich ist Luhs Vergleich Friedrichs mit seinem Bruder Heinrich, der intellektuell ebenbürtig, aber in seinen Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt war. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht auf subtile Weise die Mechanismen der Macht und des Einflusses innerhalb der preußischen Monarchie und wirft gleichzeitig Fragen nach der Bedeutung von Anerkennung und Selbstverwirklichung auf. Luhs Exkurs über Wilhelm von Humboldt und dessen Beitrag zur Entwicklung des deutschen Universitätssystems ist eine weitere Bereicherung des Gesprächs und unterstreicht die Bedeutung von Bildung und Aufklärung für die preußische Identität. Ein besonderes Augenmerk gilt in dieser Episode der kritischen Auseinandersetzung mit historischen Mythen und Legenden. Luh demontiert die romantische Vorstellung von Friedrich als Philosoph von Sanssouci und zeigt stattdessen einen Monarchen, der seine eigene Geschichte rücksichtslos gestaltete und sich selbst zum “Großen” stilisierte. Auch die dramatisierte Darstellung der Beziehung zwischen Friedrich und Hans Hermann von Katte wird entkitscht, wobei Luh die Prozessakten und die örtlichen Gegebenheiten analysiert. Diese kritische Haltung gegenüber tradierten Erzählungen ist der Anspruch des Podcasts und lädt dazu ein, Vorstellungen von Preußen zu hinterfragen. Jürgen Luh stellt fest, dass Friedrich zwar für die Aufklärung eintrat, aber am Ende seines Lebens feststellen musste, dass seine Bemühungen nur begrenzt erfolgreich waren. Trotzdem hielt Friedrich an dem Grundsatz fest, dass jeder nach seiner Fasson selig werden könne – eine bis heute aktuelle Forderung.

Auch hier geht es zum Podcast.

Röstverbot und Kaffee-Spitzel: Preußens Prohibitionszeit

Die Kaffeeriecher. Nach einem Gemälde von Louis Katzenstein, aus: Die Gartenlaube, 1892, H. 8, S. 257. Commons: Gartenlaube (1892).

Für das WDR Zeitzeichen von Claudia Friedrich war das RECS Interviewpartner. In dem Beitrag erfährt man, aus welchen feinen Porzellantassen Friedrich der Große seinen Kaffee getrunken hat, welchen Job die sogenannten Kaffeeriecher im Auftrag des Königs verrichteten, warum Friedrich II. zwei Jahre nach dem privaten Röstverbot nachgab und den Kaffeepreis schließlich senkte.

Kaffee war zu der Zeit von Friedrich dem Großen ein Luxus-Trank. Genossen wurde er vom Adel, und aus Sicht des Königs sollte das auch so bleiben. Als sich das wohlriechende Elixier in Preußen immer mehr verbreitete, belegte der Herrscher die Bohnen mit hohen Einfuhrzöllen und Luxussteuern. Ab 1766 war die freie Kaffee-Einfuhr ganz verboten. Das ließ die Bevölkerung sich nicht gefallen. Der Schmuggel blühte – der Staat reagierte: Auf das Einfuhrverbot folgte 1781 das Röstverbot. Handel und Rösten lagen nun ganz in staatlicher Hand. Wer dagegen verstieß, musste empfindliche Geldstrafen bezahlen. Trotzdem stieg der Kaffeekonsum: Denn die Bestechungszahlungen an die Kontrolleure des Röstverbots waren höher als deren Provisionen.

Zum Beitrag geht es hier.

Tagungsbericht Workshop „Preußen und die Sklaverei“ Brandenburg-Preußen-Museum Wustrau am 6. und 7. November 2025

Am 6.–7. November 2025 fand in Zusammenarbeit mit dem Brandenburg-Preußen-Museum Wustrau der von Ulrich van der Heyden (Bloemfontein) und Jürgen Luh (Potsdam) initiierte Workshop zum Thema „Preußen und die Sklaverei“ im Wustrauer Museum statt, an dem Christian Arpasi, Jürgen Becher, Matthias Donath, Richard Gamauf, Erik Gloßmann, Preben Kaarsholm, Cornelia Kleinitz, Joachim Kummer, Jürgen Overhoff, Stephan Theilig, Andrea Weindl und Michael Zeuske teilnahmen. Zu Beginn der Veranstaltung wies Museumsleiter Christian Arpasi auf die Bedeutung des Themas hin, das von der Geschichtsschreibung lange vernachlässigt worden sei. Er betonte, dass dieses Thema nicht zuletzt für Museen von Bedeutung sei, deren Aufgabe er weniger in der moralisierenden Verurteilung der Handlungen von Europäern in Übersee als vielmehr in der Vermittlung des realen Geschichtsverlaufs zum besseren Verständnis der Vergangenheit sehe. „Tagungsbericht Workshop „Preußen und die Sklaverei“ Brandenburg-Preußen-Museum Wustrau am 6. und 7. November 2025“ weiterlesen

Neu bei Kulturgeschichte Preußens – Colloquien

Gespräche am Rheinsberger Musenhof – Politik: Beiträge des zweiten Kolloquiums vom 5. und 6. Mai 2023
Herausgegeben für den Kunst- und Kulturverein Rheinsberg e.V. von Detlef Fuchs

Grienericksee mit Schloss Rheinsberg © SPSG / Leo Seidel

Die Beiträge des Kolloquiums sind online bei perspectivia.net frei verfügbar.

Gespräche am Rheinsberger Musenhof – Politik: Beiträge des ersten Kolloquiums vom 5. und 6. Mai 2023. Herausgegeben für den Kunst- und Kulturverein Rheinsberg e.V. von Detlef Fuchs, in: Kulturgeschichte Preußens – Colloquien #11, 08/12/2023, DOI: https://perspectivia.net/publikationen/kultgep-colloquien/11.

New Publications on Hohenzollern Strategy and the Third Silesian War

Ernst Wentzelmann: Dank- und Siegespredigt..., SPSG, Flugschrift, KnF_1758_01Dr Adam Storring has recently published two chapters on war and strategy in Prussia in the reign of Frederick II (1740-86).

In ‘Hohenzollern Strategy under Frederick II’, published in The Cambridge History of Strategy, Storring places Frederick firmly within the broader context of his dynasty’s strategy over the preceding generations. As one of a series of middle-ranking German dynasties seeking aggrandisement, the Hohenzollerns sought to profit from advantageous circumstances, often during periods when the Austrian Habsburgs – the hegemonic power in the German lands – were temporarily weak. Frederick II’s invasion of the Austrian province of Silesia in 1740 thus reflected not only the king’s own risk-taking personality but also the policy of his family over generations.

Storring’s chapter on ‘The Third Silesian War’, published in The Oxford Handbook of the Seven Years War, re-examines the conflict in central Europe between 1756 and 1763, which saw Prussia surprisingly survive undefeated despite facing a huge coalition of Austria, France, Russia, Sweden and many states of the Holy Roman Empire. The Russians called it ‘the Prussian war’, and it has also been a ‘Prussian war’ in the way historians have written about it, with much less consideration given to non-Prussian participants. Even from the Prussian side, there has been an overwhelming focus on the personality of King Frederick II. Storring emphasizes the need instead to examine the broader Prussian high command within which the king operated.

Prussia has typically been seen as a resource-poor state whose scattered territories left it exposed to attack. Storring argues, however, that the example of the Seven Years War shows that Prussia’s geographical position was not as disadvantageous as might be thought. While outlying possessions were quickly occupied, the scattered nature of the Hohenzollern territories was actually an advantage, as French and Russian armies found it logistically very difficult to cover the great distances necessary to reach the Prussian heartland. The Prussians benefitted from good river communications and mountain barriers, while the central position of the Prussian state allowed Frederick to move troops on interior lines to confront one adversary after another. Recent research has meanwhile shown that Prussia was much better at mobilising resources and bringing them to the theatre of war than its immediate opponents. Scholars have argued that, throughout its history, Prussia’s exposed geography repeatedly obliged it to take the offensive in wars. Storring explains, however, that Frederick actually survived the Seven Years War because of the defensive advantages he enjoyed.

Adam Storring was RECS-Voltaire-Fellow at the Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten in 2018. He is currently Visiting Research Fellow at King’s College London. His PhD, completed at the University of Cambridge under the supervision of Professor Sir Christopher Clark, was awarded the André Corvisier Prize for the best dissertation on military history defended at any university anywhere in the world.

BildGeschichte #36: Apoll und vier Musen – Zur neu entdeckten Skizze des verlorenen Deckengemäldes von Amédée Van Loo für den Komödiensaal im Potsdamer Stadtschloss

Franziska Windt (SPSG)                                                                                                  PDF

Amédée Van Loo, Apoll und vier Musen, Öl auf Leinwand, 60 x 74 cm, Copyright : Christie’s LTD – 2022

Unter dem musikbegeisterten preußischen König, Friedrich II., dem Großen, blühten Oper und Theater in Berlin und Potsdam auf. In ganz Europa ließ der König Ausschau halten nach guten Musikern, Sängern, Tänzern und Schauspielern, und er ließ die Spielstätten in den Schlössern ausbauen oder das Opernhaus unter den Linden neu errichten. Auch das Potsdamer Stadtschloss erhielt einen neuen Komödiensaal, der ab 1745 von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff in den Kopf des zum Markt weisenden Ostflügels gebaut und in den folgenden Jahren eingerichtet wurde.[1] Die Gestalt des Theaters mit einem halbkreisförmigen Zuschauersaal ist überliefert durch die Grundrisse und Schnittzeichnungen, die sich in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) und der Nationalbibliothek in Warschau erhalten haben.[2] „BildGeschichte #36: Apoll und vier Musen – Zur neu entdeckten Skizze des verlorenen Deckengemäldes von Amédée Van Loo für den Komödiensaal im Potsdamer Stadtschloss“ weiterlesen